Kind

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Kind [kɪnt], das; -[e]s, -er:
1.
a) noch nicht, gerade oder vor Kurzem geborener Mensch, Neugeborenes, Baby, Kleinkind:
ein gesundes, kräftiges, neugeborenes, unerwünschtes, lange ersehntes Kind; ein Kind wird geboren; sie erwarten ein Kind.
Syn.: Säugling.
Zus.: Kleinkind, Kleinstkind, Wickelkind, Wunschkind.
b) Mensch, der sich noch im Lebensabschnitt der Kindheit befindet:
die Kinder spielen im Garten; Kinder bis zu 12 Jahren/bis 12 Jahre; ein Kind von einem halben Jahr; sie kennen sich von Kind an/auf.
Syn.: Baby, 2Balg (emotional, meist abwertend), Knirps (ugs.), Spatz (fam.).
Zus.: Schulkind, Waisenkind, Zwillingskind.
2. jmds. unmittelbarer Nachkomme:
sein eigenes, leibliches Kind; ihre Kinder sind alle verheiratet.
Syn.: Älteste, Ältester, Nachwuchs, Sohn, Tochter.
Zus.: Adoptivkind, Enkelkind, Kindeskind, Lieblingskind.

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Kịnd 〈n. 12
1. Mensch von der Geburt bis zum Eintritt der Geschlechtsreife
2. (Kosewort u. Anrede für Kinder u. junge Leute)
3. Nachkomme, Abkömmling
4. 〈Sammelbez. für〉 Junge u. Mädchen, Sohn u. Tochter
● \Kinder, hört mal zu!; aber \Kind! (das geht doch nicht) ● das \Kind mit dem Bade ausschütten 〈fig.〉 mit dem Schlechten auch das Gute verwerfen, zunichtemachen; er ist ein Berliner, Münchner \Kind er stammt aus Berlin, München; sie ist bei der Geburt des \Kindes gestorben; da sieht man, wes Geistes \Kind er ist was für eine Bildung od. Gesinnung er hat; die \Kinder Gottes 〈poet.〉 die Menschen; mit \Kind und Kegel mit der ganzen Familie; →a. Kegel; ein \Kind der Liebe 〈fig.〉 uneheliches Kind; das \Kind im Manne 〈fig.〉 das Spielerische im Charakter eines Mannes; das \Kind muss doch einen Namen haben 〈fig.〉 die Sache muss irgendwie bezeichnet werden, braucht eine Begründung; \Kinder und Narren sagen die Wahrheit 〈Sprichw.〉; er ist ein \Kind des Todes 〈fig.〉 er wird sterben; Frau und \Kind haben, verlassen 〈poet.〉; er ist ein \Kind seiner Zeit er ist durch seine Zeit geprägt worden ● ein \Kind bekommen, 〈umg.〉 kriegen, empfangen, gebären, zeugen; ein \Kind erwarten schwanger sein; \Kinder haben; heranwachsen: die \Kinder wachsen heran; einer Frau ein \Kind machen 〈derb〉 sie schwängern; wie sag ich's meinem \Kinde? 〈eigtl.〉 wie kläre ich es am besten über sexuelle Dinge auf?; wie bringe ich ihm (einem Erwachsenen) die Sache schonend bei?; wir werden das \Kind schon schaukeln die Sache zuwege bringen, die Angelegenheit gut erledigen; sein: er ist doch noch ein \Kind!; bitte benimm dich, du bist kein (kleines) \Kind mehr!; ein \Kind stillen, nähren, entwöhnen; das weiß jedes \Kind jeder ● mein (liebes) \Kind!; unsere \Kinder; sie haben fünf \Kinder; artiges, braves, gutes, kluges, liebes, schwieriges, ungezogenes, verwöhntes \Kind; gebranntes \Kind scheut das Feuer 〈Sprichw.〉 wer einmal eine schlechte Erfahrung gemacht hat, ist später vorsichtig; er ist ein großes \Kind er ist zwar erwachsen, aber in mancher Hinsicht kindlich, unreif; sie haben schon große, erwachsene \Kinder; hübsches, niedliches, reizendes \Kind; kleine \Kinder, kleine Sorgen, große \Kinder, große Sorgen 〈Sprichw.〉; sein leibliches \Kind; sich (bei jmdm.) lieb \Kind machen sich (bei jmdm.) beliebt machen, sich einschmeicheln; neugeborenes \Kind; schönes \Kind! (Anrede eines Mannes für ein junges Mädchen); das ist ein totgeborenes \Kind 〈fig.〉 eine Sache, die von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, die nicht gutgehen kann; uneheliches \Kind ● als \Kind war ich oft dort; das hat er schon als (kleines) \Kind getan; an \Kindes statt annehmen adoptieren; aus \Kindern werden Leute 〈Sprichw.〉 die Zeit geht hin, man wird alt; das \Kind beim (richtigen) Namen nennen 〈fig.〉 etwas ohne Umschweife aussprechen; ich bin bei ihnen wie (das) \Kind im Hause ganz vertraut, ganz heimisch, ein Teil der Familie; ein \Kind in Pflege geben, haben, nehmen; ein \Kind unter dem Herzen tragen 〈veraltet〉 schwanger sein; \Kinder unter 14 Jahren haben keinen Zutritt in dieser Diskothek; von \Kind an, 〈od.〉 auf von den ersten Lebensjahren an; →a. Bad, Brunnen [<ahd. kind <germ. *kinda- „gezeugt“, zu *kun-, *ken-, *kan- „erzeugen“; zu idg. *gen- „gebären, erzeugen“]

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Kịnd , das; -[e]s, -er [mhd. kint, ahd. kind, eigtl. = Gezeugtes, Geborenes, subst. 2. Part. eines Verbstammes mit der Bed. »gebären, erzeugen«]:
1.
a) noch nicht geborenes, gerade od. vor noch nicht langer Zeit zur Welt gekommenes menschliches Lebewesen; Neugeborenes, Baby, Kleinkind:
ein gesundes, kräftiges, neugeborenes, tot geborenes, ungewolltes, unerwünschtes, lang ersehntes K.;
das K. im Mutterleib;
ein K. wird geboren, kommt zur Welt;
das K. ist ein Mädchen, ein Junge;
ein K. [von jmdm.] haben wollen;
wie soll das K. heißen?;
ein K. zeugen, erwarten, zur Welt bringen, austragen, abtreiben;
sie bekommt, kriegt gerade ihr K.;
sie bekommt, kriegt ein K. (ist schwanger);
das K. füttern, stillen, trockenlegen, wickeln;
sie wurde von einem gesunden K. entbunden;
er ist der Vater ihres -es;
R das K. muss [doch] einen Namen haben (für die Sache muss eine Rechtfertigung, ein Vorwand gefunden werden);
wir werden das K. schon [richtig] schaukeln (ugs.; wir werden die Sache schon in Ordnung bringen, bewältigen);
ein tot geborenes K. sein (ugs.; von Anfang an, schon bei seiner Entstehung zum Scheitern, Misslingen verurteilt sein; aussichtslos sein: dieses Unternehmen war ein tot geborenes K.);
unschuldig wie ein neugeborenes K. sein (völlig, ganz und gar unschuldig sein);
jmdm. ein K. machen/andrehen (ugs.; eine Frau schwängern);
jmdm. ein K. in den Bauch reden (ugs.; jmdm. etw. einreden, ihn mit großer Überredungskunst von etwas ganz Unwahrscheinlichem überzeugen wollen);
ein K. unter dem Herzen tragen (geh.; schwanger sein);
das K. mit dem Bade ausschütten (übereilt, im Übereifer das Gute mit dem Schlechten verwerfen);
b) Mensch, der sich noch im Lebensabschnitt der Kindheit befindet (etwa bis zum Eintritt der Geschlechtsreife), noch kein Jugendlicher ist; noch nicht erwachsener Mensch:
ein kleines, elfjähriges, halbwüchsiges K.;
ein minderjähriges, unmündiges K.;
ein aufgewecktes, begabtes, frühreifes, verwöhntes, verzogenes, schwieriges, zurückgebliebenes K.;
-er bis zu 12 Jahren/bis 12 Jahre;
ein K. von vier Jahren;
die -er spielen, toben, gehen zur Schule;
die -er wachsen heran, sind groß geworden;
als wir noch -er waren;
sie ist kein K. mehr (ist erwachsen);
das weiß, kann doch jedes K. (ist doch ganz einfach, kann doch jeder);
Namen, die hier jedes K. kennt (die so allgemein bekannt sind, dass jeder sie kennt);
er ist ein großes K. (hat ein kindliches Gemüt, die Naivität eines Kindes);
sie war schon als K. sehr still;
sie freute sich wie ein K.;
ein K. großziehen, ernähren;
das K. an die Hand nehmen;
er behandelt sie wie ein [kleines] K. (bevormundet sie);
den -ern etwas beibringen;
die Erzieherin ist bei ihren -ern (ihren Schützlingen) sehr beliebt;
für -er und Erwachsene;
er kennt sie von K. an/von K. auf (seit ihrer Kindheit);
R wenn das K. in den Brunnen gefallen ist [deckt man ihn zu] (erst wenn es zu spät ist [wird etwas unternommen]);
du bist als K. [wohl] zu heiß gebadet worden (du bist nicht recht gescheit);
wie sag ichs meinem -e (wie bringe ich einer bestimmten Person das am geschicktesten bei);
aus -ern werden Leute (die Kinder werden erwachsen);
das ist nichts für kleine -er (ugs.; das geht dich nichts an, ist nichts für dich);
Spr -er und Narren sagen die Wahrheit;
[ein] gebranntes K. scheut das Feuer;
das K. im Manne (meist scherzh.; die Freude am Spiel, der Spieltrieb beim Mann; nach einer Stelle in dem Werk »Also sprach Zarathustra« des dt. Philosophen Fr. Nietzsche, 1844–1900);
Kind[er] und Kindeskinder (die gesamte Nachkommenschaft);
bei jmdm. lieb K. sein (ugs.; bei jmdm. in gutem Ansehen stehen [u. dadurch Vorteile haben]);
sich bei jmdm. lieb K. machen (ugs.; sich bei jmdm. einschmeicheln);
das K. beim [rechten] Namen nennen (ugs.; etw. ganz offen, deutlich aussprechen);
mit K. und Kegel (mit der gesamten Familie; mhd. kegel, kekel = uneheliches Kind, wohl identisch mit kegel = Knüppel, Stock, Kegel).
2. von jmdm. leiblich abstammende Person; unmittelbarer Nachkomme:
ein eheliches, uneheliches, eigenes, leibliches K.;
ihr erstes, zweites K.;
das gemeinsame K.;
sie ist einfacher Leute K.;
wenn die -er aus dem Haus sind;
sie ist das einzige K. [ihrer Eltern];
sie waren drei -er zu Hause;
wir haben drei -er;
sie wollen sich keine -er, nur ein K. anschaffen;
willst du wirklich -er in die Welt setzen?;
er hat für seine -er gesorgt;
Ü wir sind alle -er Gottes;
er ist ein K. des 19. Jahrhunderts (ist von dieser Zeit geprägt);
ein K. des Todes (geh.; ein äußerst gefährdeter, dem Tode naher, geweihter Mensch);
sie ist ein [echtes] Berliner K. (sie stammt aus Berlin, ist eine richtige Berlinerin);
R -er können nichts für ihre Eltern;
Spr kleine -er, kleine Sorgen – große -er, große Sorgen;
K. der Liebe (geh. veraltend, verhüll.; uneheliches Kind);
kein K. von Traurigkeit sein (ugs.; ein lebenslustiger Mensch sein);
jmds. liebstes K. sein (jmds. besondere Vorliebe genießen, von jmdm. bevorzugt werden);
jmdn. an -es statt annehmen ( adoptieren 1).
3. (fam.)
a) <o. Pl.> Anrede an eine [jüngere] weibliche Person:
mein K., besuche mich bald wieder;
das, liebes K., ist nicht wahr;
b) <Pl.> Anrede an mehrere Personen:
-er, hört mal alle her!

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I
Kind
 
[zu altenglisch cennan »erzeugen«]. Der Begriff Kind bezeichnet im Deutschen zwei unterschiedliche Sachverhalte: 1) Im Sinne des bürgerlichen Rechts sind Kinder die Abkömmlinge einer Person in absteigender Linie, zunächst also ihre natürlichen Söhne und Töchter und deren Nachkommen, und zwar unabhängig davon, ob sie aus verschiedenen oder geschiedenen Ehen stammen, in einer Ehe oder außerehelich geboren wurden; ferner die Kinder eines Mannes, der ihre Abstammung nicht wirksam angefochten hat, sowie die Adoptivkinder. Nach dem Alter unterscheidet man zwischen minder- und volljährigen Kindern 2) Im allgemeinen Sprachgebrauch bezieht sich die Bezeichnung Kind entweder auf die Nachkommen einer Person oder aber im weiteren Sinn auf den Menschen bis zum Eintritt ins Jugendalter. Der dabei durchlaufene Zeitraum, die Kindheit, wird zwar in den meisten Kulturkreisen vom Erwachsenenalter abgegrenzt, die Vorstellung von der Natur und der Dauer des Kindesalters unterliegt jedoch beträchtlichen historischen Veränderungen, bei denen v. a. auch ethnospezifische und soziokulturelle Faktoren eine Rolle spielen.
 
Die Entwicklungspsychologie unterscheidet konventionellerweise je nach dem Stand der biologischen, kognitiven und seelischen Reifung eines Kindes im Anschluss an die prä- und perinatalen Phasen folgende Entwicklungsabschnitte: Neugeborenes (bis 10. Lebenstag), Säugling (1. Lebensjahr), Kleinkind (2. und 3. Lebensjahr), Kindergartenkind (4.-6. Lebensjahr), Schulkind (7.-14. Lebensjahr).
 
 Biologisch-physiologische Entwicklung
 
Das Wachstum des in seinen Proportionen vom Erwachsenen abweichenden kindlichen Körpers verläuft in Tempo und Rhythmus in den einzelnen Phasen unterschiedlich; die einzelnen Körperteile wachsen nicht alle gleichmäßig (allometrisches Wachstum), und auch die Zunahme an Körperlänge entspricht nicht der an Körpergewicht. Auch das Verhältnis des Gewichtes der einzelnen inneren Organe zum Gesamtgewicht ist verschoben, z. B. beträgt das Gehirn des Neugeborenen 13-14 % (beim Erwachsenen 2 %), das Gewicht der Leber des Neugeborenen 10 % des Körpergewichts (beim Erwachsenen 2 %). Stoffwechsel, Atmung, Pulsschlag u. a. sind beim Kind höher als die Werte des Erwachsenen. Die Knochen des Skelettsystems bestehen beim Kind zum großen Teil aus mehreren Abschnitten, die mit fortschreitender körperlicher Reife verschmelzen. Erst dann haben sie die Form des voll entwickelten Knochens.
 
 Seelische und kognitive Entwicklung
 
Entgegen früheren Auffassungen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Mutterleib nicht eine stille, dunkle Welt ist, sondern ein relativ lauter, sich verändernder Ort mit Ereignissen und Empfindungen für das Ungeborene, die angenehm oder schmerzhaft sein können. Schon im ersten Monat nach der Befruchtung beginnt die Entwicklung des Gehirns und des Nervensystems des Embryos, der mit etwa 16 Wochen im Entwicklungsstadium des Feten bereits eine fertige Körperform zeigt. Nach etwa drei Monaten sind Nervensystem und sensorischer Apparat so weit entwickelt, dass der Fetus u. a. mit Greifen auf ein Streicheln seiner Handfläche mit einem feinen Haar reagiert. Sein Sehvermögen ist so gut, dass sich sein Pulsschlag erhöht, wenn dem Bauch der Mutter helles Licht genähert wird. Sein Hörvermögen ist noch besser, selbst pränatale Erinnerungs- und Lernfähigkeit sind nicht auszuschließen. Bereits bei der Geburt ist die Psyche in Grundzügen strukturiert. Auch die Intelligenz ist als Anlage vorhanden. Zu den fundamentalen Bedürfnissen des Neugeborenen gehört neben Nahrungsaufnahme, Schlaf, Darm- und Blasenentleerung z. B. auch die taktile Stimulierung durch seine Bezugspersonen (A. Montagu). Etwa bis zum 7. Lebensmonat unterhält der Säugling zu seiner Hauptbezugsperson (in der Regel die Mutter) eine »symbiotische« Beziehung (Margaret S. Mahler), von der er sich nur langsam löst. Die hauptsächlichen Mittel seiner Wahrnehmung sind Schmecken, Tasten, Hören und Sehen. In der Zeit bis zum 12. Monat beginnt das Kind, zwischen sich und der Welt zu unterscheiden. Es reagiert auf Fremde vorsichtiger und mitunter misstrauisch (Achtmonatsangst). In dieser Phase entdeckt es sich auch allmählich selbst als ein von der Mutter losgelöstes Individuum.
 
Das Kleinkind zeigt zunächst einen starken Bewegungsdrang. Es übt laufen, klettern, stellt Beziehungen zu den Objekten seiner Umgebung her (Art, Zweck, Bezeichnung eines Gegenstandes) und befolgt einfache Gebote. Gleichzeitig lernt es die Beherrschung seiner Ausscheidungsorgane (Reinlichkeitserziehung). Die Fantasie- und Willensentwicklung schreitet zwischen dem 2. und dem 3. Jahr schnell voran, häufig widersetzt sich das Kind bei erwachendem Ichbewusstsein bestimmten Wünschen der Erwachsenen (Trotzalter). Stürmisch geäußerte Ansprüche auf Liebe und Beachtung lassen die soziale Verhaftung des Kindes schon früh erkennen. Erheblich sind auch die Fortschritte im Bereich der kognitiven Fähigkeiten, die sich etwa im Alter von drei Jahren stabilisieren. Das Kind erweitert seine Vorstellung von Zeit um Vergangenheit und Zukunft, wobei sich seine Denkweise eher am Anschaulich-Symbolischen als am Logischen orientiert. Der Wunsch nach größerer Selbstständigkeit, gesteigerte Freude an gezielter Bewegung und das Bedürfnis, sich Gleichaltrigen anzuschließen, treten stärker hervor (Kindergartenalter). Im Alter von vier Jahren ist der Spracherwerb im Wesentlichen abgeschlossen, und das Kind bekundet deutlich sein Interesse an Geschehniszusammenhängen (Fragealter). Seine dominierende Beschäftigung ist das Spiel.
 
Der Beginn des Schulkindalters bringt wieder eine Labilitätsperiode, die wohl im Zusammenhang mit den körperlichen Veränderungen, dem ersten Gestaltwandel, steht: Das Kind ermüdet leicht, zeigt wenig Ausdauer, ist Stimmungen unterworfen. Dennoch sind bedeutende Gewinne in der sozialen und intellektuellen Entwicklung sichtbar: Das Kind bevorzugt Gemeinschaftsspiele größerer Gruppen, deren Regeln genau beachtet werden, sein Interesse an der nun sachlich beobachteten Umwelt wächst. Damit sind die Voraussetzungen für die Schulreife gegeben. Die Kinder streben nach Anerkennung der Alterskameraden und haben an Gruppenunternehmungen lebhaften Anteil. Mit etwa zehn Jahren erreicht die kindliche Entwicklung einen Höhepunkt: Krankheitsanfälligkeit und Sterblichkeit sind in diesem Alter am geringsten. Obschon das Kind noch vorwiegend anschaulich denkt, machen Abstraktionsfähigkeit und schlussfolgerndes Denken große Fortschritte. In die Bereiche der Natur und der Technik versucht es einzudringen, indem es sammelt, experimentiert und sich im Herstellen praktisch verwendbarer, funktionsreif gebastelter Dinge erprobt. Das 10- bis 14-jährige Schulkind löst sich mehr und mehr aus der unmittelbaren elterlichen Pflege, beginnt Einsicht in die sozialen Aufgaben innerhalb der Gesellschaft zu gewinnen und vermag seine Fähigkeiten planmäßig einzusetzen.
 
 Das Kind in Vergangenheit und Gegenwart
 
Während der Elternmord abgesehen von der Altentötung wohl in allen Kulturen ein Tabu darstellte, war die Kindstötung aus rituellen (Kindsopfer), eugenischen (kränkliche, missgebildete Kinder) oder wirtschaftlichen Gründen (Sicherung der Ernährung, des Erbes, Begrenzung der Überbevölkerung) weit verbreitet. Bei den frühen Kulturstufen der Jäger, Sammler und Nomaden wurde das Bevölkerungswachstum durch Tötung von Neugeborenen begrenzt. Bei den Naturvölkern werden Kinder als Nachwuchs der Verwandtschaftsgruppen in der Regel hoch bewertet und meist permissiv behandelt. Sie finden sich in (geschlechts)spezifischen Altersklassen zusammen, die durch an natürliche (Zahnen, Entwöhnung, Geschlechtsreife u. a.) und soziale Ereignisse (Namensgebung, Kinderverlöbnis oder -heirat, Fosterage) geknüpfte Übergangsriten voneinander getrennt sind. Die Kindheit wird formell beendet durch eine Initiation in die Welt der Erwachsenen, mit denen die Kinder schon früh eine Arbeitsgemeinschaft bilden.
 
In der Antike standen der ideellen Hochschätzung des Kindes (Abtreibung und Aussetzung von gesunden Kindern waren verboten) Kindsaussetzung und Kindstötung gegenüber, die in Militärstaaten zum Teil staatlich verordnet wurde. In Sparta wurden schwächliche Neugeborene in eine Schlucht gestürzt, im Römischen Reich Findlinge als Sklaven aufgezogen. In der frühchristlichen Literatur finden sich dagegen zahlreiche idealisierende Darstellungen von Weggabe und Adoption von Kindern, da das Christentum den Kindermord bekämpfte. Findelhäuser sind seit dem 8. Jahrhundert bezeugt, waren aber in der Praxis kein wirksames Mittel gegen die hohe Kindersterblichkeit (50 %). Der häufige und frühe Tod von Kindern wurde als gegeben hingenommen, die Kindheit wurde als Vorstufe des eigentlichen Lebens aufgefasst. Erst seit dem 14./15. Jahrhundert wurde der Eigennatur des Kindes Beachtung geschenkt (kindliche Gesichtszüge und kindliche Kleidung wurden erstmals abgebildet) und die besondere Schutzbedürftigkeit der Kinder betont. Aber erst im 18. Jahrhundert wurde die dem Kind eigene Natur (F. Fénelon, J.-J. Rousseau, J. H. Pestalozzi) erkannt und die Forderung nach einer dieser Natur »gemäßen« Existenz gestellt. Eine Kinderkultur mit eigenständigem literarischen Ausdruck entstand, die das Lustig-Rührende des kindlichen Wesens betonte. Die »Kindheit« als eigene Entwicklungsstufe wurde im 19. Jahrhundert von den Pädagogen (Maria Montessori u. a.) »entdeckt« und zum Gegenstand empirischer Studien (C. Darwin u. a.), aus denen sich die Kinderpsychologie entwickelte. Sozialreformer wie J. F. Oberlin, R. Owen, S. Wilderspin und G. Bosco errichteten überall in Europa Anstalten, die arme und elternlose Kinder vor der Verwahrlosung »bewahren« sollten. Vereine zum Schutz der Kinder wurden gegründet (in Deutschland der »Verein zum Schutz der Kinder gegen Mißhandlungen«, 1899). Um 1900 war das Interesse am Kind so groß, dass die schwedische Schriftstellerin Ellen Key das »Jahrhundert des Kindes« ausrief und der amerikanische Psychologe H. S. Hall die Kinderforschung in den Zusammenhang einer »großen Kulturbewegung« stellte.
 
Während theoretisch die Grundlagen für einen einfühlsameren Umgang mit Kindern gelegt wurden, entwickelten sich die gesellschaftlichen Voraussetzungen für eine tatsächliche Verbesserung der Lage der Kinder nur langsam. Noch immer war die Prügelstrafe das bevorzugte Erziehungsmittel; im Gegensatz zu den wohl behüteten Kindern des Bürgertums waren die Kinder der Unterschicht in erster Linie Arbeitskräfte (Kinderarbeit), mussten ihren Lebensunterhalt zum Teil aber auch durch Betteln oder Prostitution verdienen. Waisenkinder waren besonders benachteiligt, wurden aus Großbritannien (letzter Transport 1967) sogar in die Kolonien abgeschoben.
 
Im sozialpolitischen sowie im privaten Bereich gab es nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland Bestrebungen, die soziale Stellung des Kindes zu verbessern (Schaffung von Kindertagesstätten, Kindergärten u. a.). Neuerungen, die eine intensivere Eltern-Kind-Beziehung anstrebten, setzten sich mehr und mehr durch. Dazu gehören v. a. die »sanfte Geburt«, die Rückkehr zur Kindertrage und zu einer längeren Stillperiode, die Beteiligung der Eltern an der Pflege eines erkrankten Kindes im Krankenhaus, Rooming-in u. a. Der Schutzwürdigkeit von Kindern wird durch die Rechtsordnung in vielfältiger Weise entsprochen, z. B. durch Art. 6 GG (Pflege und Erziehung der Kinder als Elternrecht und -pflicht, Gleichberechtigung des nichtehelichen Kindes), Art. 7 GG (Schulaufsicht des Staates) und zahlreiche Bestimmungen auf nahezu allen Rechtsgebieten. Andererseits ist die Zahl der bekannt gewordenen Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern und sonstiger Kindesmisshandlung hoch. Im internationalen Bereich enthält das UN-Übereinkommen über die Rechte des Kindes vom 20. 11. 1989, das bereits von 187 Staaten (1996) ratifiziert wurde, bedeutsame Regelungen für die Rechtsstellung des Kindes. Es schreibt in seinem Teil I die Grundrechte des Kindes fest (z. B. Diskriminierungsverbot, staatliche Fürsorge, Schutz vor Gewalt, Gesundheitsschutz) und legt im Teil II ein Kontrollsystem fest.
 
 Fragestellungen der Gegenwart
 
Ein breiteres wissenschaftliches Interesse an der Kindheit erwachte in den 1970er-Jahren durch die historische Kindheitsforschung (P. Ariès, N. Elias, Donata Elschenbroich), die eine vorwiegend anthropologische Betrachtungsweise ablöste. In Analogie zur historisch-epochalen Kindheitserforschung wurde die Kindheit der Gegenwart als Teilaspekt eines grundlegenden gesellschaftlichen Wandlungsprozesses innerhalb des 20. Jahrhunderts (und v. a. auch innerhalb der letzten Generationen) gesehen, der sowohl negativ (P. Ariès) als auch positiv (L. deMause), als das Ende einer historischen Phase (N. Postman) oder eher als Anfang einer neuen (H. Hengst) gedeutet wird. Dieser Prozess betrifft v. a. das Verhältnis des Kindes zur Welt der Erwachsenen, die von Familie, Kindergarten und Schule institutionell repräsentiert wird.
 
Der Geburtenrückgang hat in den Industrieländern im Allgemeinen und in der Bundesrepublik Deutschland im Besonderen eine Altersgliederung hervorgebracht, die sich von derjenigen in den Entwicklungsländern aufgrund der gegensätzlichen Bevölkerungsentwicklung grundsätzlich unterscheidet. Der Rückgang des Anteils der unter 15-Jährigen an der Gesamtbevölkerung beruht auf einer zunehmenden Zahl kinderloser Lebensgemeinschaften sowie auf einer stärkeren Verbreitung der Einkindfamilie und der Einelternfamilie (Alleinerziehende). Das bedeutet, dass Kinder heute sehr viel vereinzelter aufwachsen als früher (»innerfamiliäre Vereinzelung«) und die soziale Interaktion labiler und ungeordneter abläuft. Ein Viertel der heute 16-Jährigen hat ständig oder länger allein mit nur der Mutter oder nur dem Vater gelebt, nur 5 % erleben die ständige Anwesenheit der Großeltern. Traditionelle Formen der Einbettung in übergreifende Strukturen, wie z. B. der Hausgemeinschaft und des Nachbarschaftsverbandes, gehen verloren (»Individualisierung« der Kindheit). Für den gesellschaftlichen Status der Kinder ist einerseits ein erhöhtes Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit kennzeichnend (v. a. vor dem Hintergrund des »Rentenproblems« diskutiert). Diese Wertschätzung ist jedoch eine institutionalisierte, in der alltäglichen Lebenswelt dagegen nimmt der Stellenwert der Kinder ab; Alltag und Freizeit werden ohne sie organisiert, in der Arbeitswelt wird auf die Bedürfnisse von Arbeitnehmern mit Kindern wenig Rücksicht genommen. Hinzu kommt in den letzten Jahrzehnten die Belastung des Eltern-Kind-Verhältnisses durch die »Inszenierung« der Kindheit (Entscheidung für das Kind, gezielte Auswahl und detaillierte Planung seiner Aktivitäten). Aus dem Anspruch, die Kinder »optimal«, mit pädagogischen Expertisen zu erziehen, ist ein eigendynam. Wirtschaftszweig entstanden, der Eltern einerseits bei der Erziehung der Kinder hilft (u. a. Ernährungs-, Lernmittelindustrie, öffentliche Betreuungs- und Förderungsangebote), ihnen aber auch das Gefühl der Unzulänglichkeit vermitteln kann. Da auch der Staat dieser Entwicklung Rechnung trägt (Kinderlastenausgleich, Erziehungsurlaub u. a.), ergibt sich als Konsequenz auch eine »Pädagogisierung« (sprunghafter Anstieg des Niveaus der Verschulung) und durch die Vereinheitlichung der sozialen Ausstattung eine »Universalisierung« von Kindheit und deren gleichzeitige Verlängerung. Das Problem der »Mediatisierung« der Kindheit (d. h. eines Verlustes an unmittelbarem Erleben) ist der eigentliche Kristallisationspunkt der wissenschaftlichen Untersuchungen, wobei als vermittelndes Medium in erster Linie das Fernsehen im Mittelpunkt des Interesses steht. Als mögliche Folgen des täglichen Fernsehkonsums der Kinder werden besonders der Verlust der Eigentätigkeit des Kindes, die Konfrontation mit einer Normenvielfalt auch aus anderen Lebensbereichen, die Ausdehnung des von den Medien vorgegebenen Erfahrungsmusters auf andere Lebensbereiche sowie die Aneignung des »Wissens« der Erwachsenen diskutiert, das die kindliche Vorstellungswelt in Besitz nimmt und damit das »Wesen« der Kindheit nachhaltig verändert.
 
Der nachweisliche Wandel seiner Lebensbedingungen hat zweifellos auch zu einer Veränderung des Kindes selbst geführt, das sich heute wie zu keiner anderen Zeit komplexen Leistungsforderungen stellen und einen komplizierten Institutions- und Rollenwechsel bewältigen muss.
 
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Anthropologie · Deliktsfähigkeit · elterliche Sorge · Eltern · Erziehung · Familie · Geburt · Handlungsfähigkeit · Jugend · Jugendschutz · Kinder- und Jugendhilfe · Lernen · Mutter · Pädagogik · Pubertät · Rolle · Säugling · Schule · Sozialisation · Vater
 
 
F. Stirnimann: Psychologie des neugeborenen K.es (21973);
 W. Mühlmann: Kindheit u. Jugend in traditionalen u. progressiven Gesellschaften, in: Jugend in der Gesellschaft, bearb. v. H. von Hentig u. a. (1975);
 H. Müller-Braunschweig: Die Wirkung der frühen Erfahrung (1975);
 D. Elschenbroich: K.er werden nicht geboren (1977);
 L. deMause: Über die Gesch. der Kindheit (1977);
 
Hört ihr die K.er weinen, hg. v. L. deMause: (a. d. Engl., 81994);
 W. L. Langer: Kindermord: Ein histor. Überblick, in: Kindheit, Jg. 1 (1979); Kindheit in Europa, hg. v. H. Hengst (1985);
 D. Lenzen: Mythologie der Kindheit (1985);
 U. Sander u. R. Vollbrecht: K.er u. Jugendliche im Medienzeitalter (1987);
 
Die Kindheit. ... Eine Kulturgesch., hg. v. I. Weber-Kellermann (Neuausg. 1989);
 G. L. Flanagan: Die ersten neun Monate des Lebens (a. d. Amerikan., 237.-244. Tsd. 1991);
 E. Key: Das Jahrhundert des K. (a. d. Schwed., 1992);
 A. Miller: Am Anfang war Erziehung (151994);
 N. Elias: Über den Prozeß der Zivilisation, 2 Bde. (191995);
 
Kriegskinder, Konsumkinder, Krisenkinder, hg. v. U. Preuss-Lausitz u. a. (41995);
 A. Montagu: Körperkontakt. Die Bedeutung der Haut für die Entwicklung des Menschen (a. d. Engl., 81995);
 N. Postman: Das Verschwinden der Kindheit (a. d. Amerikan., Neuausg. 140.-146. Tsd.1995);
 T. Verny: Das Seelenleben des Ungeborenen (a. d. Amerikan., Neuausg. 121995);
 P. Ariès: Gesch. der Kindheit (a. d. Frz., Neuausg. 121996);
 H. Bründel u. K. Hurrelmann: Einf. in die Kindheitsforschung (1996);
 H. Giesecke: Das Ende der Erziehung (Neuausg. 1996);
 M. Montessori: Die Entdeckung des K. (a. d. Ital., 121996).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
 
Säugling: Wachstum und körperliche Entwicklung
 
Kind: Die motorische und psychosoziale Entwicklung in den ersten Lebensjahren
 
Kind: Kinderkrankheiten und andere Krankheiten im Kindesalter
 
Säugling und Kind: Die ersten Jahre eines Menschen
 
II
Kịnd,
 
Johann Friedrich, Pseudonym Ọscar, Schriftsteller, * Leipzig 4. 3. 1768, ✝ Dresden 26. 6. 1843; war zunächst Rechtsanwalt in Dresden, ab 1816 freier Schriftsteller; Mitglied des »Dresdner Liederkreises«; schrieb neben Gedichten, Erzählungen und Dramen im Zeitgeschmack u. a. die Libretti zu C. M. von Webers Oper »Der Freischütz« (1821; nach einer Erzählung von J. A. Apel) und zu C. Kreutzers Oper »Das Nachtlager von Granada« (1834).
 

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Kịnd, das; -[e]s, -er [mhd. kint, ahd. kind, eigtl. = Gezeugtes, Geborenes, subst. 2. Part. eines Verbstammes mit der Bed. „gebären, erzeugen“]: 1. a) noch nicht geborenes, gerade od. vor noch nicht langer Zeit zur Welt gekommenes menschliches Lebewesen; Neugeborenes, Baby, Kleinkind: ein gesundes, neugeborenes, tot geborenes, ungewolltes, unerwünschtes, lang ersehntes K.; ein K. wird geboren, kommt zur Welt; bei ihnen ist endlich ein K. angekommen; das K. ist sehr kräftig, hat schon Haare, kann schon bald sitzen; das K. schreit; wie soll das K. heißen?; das K. ist ein Mädchen, ein Junge; Unser K. strampelt ungeduldig in ihrem Bauch (Kinski, Erdbeermund 260); ein K. [von jmdm.] haben wollen; ein K. zeugen, erwarten, gebären, bekommen, kriegen, zur Welt bringen, austragen, abtreiben; das K. im Mutterleib untersuchen; das K. füttern, stillen, trockenlegen, entwöhnen, wickeln; sie trägt schon das K. im vierten oder fünften Monat, da soll sie sich nicht aufregen (Kühn, Zeit 80); Männer, die ihrer Frau zwei oder drei -er machen (Chotjewitz, Friede 237); er ist der Vater ihres -es; Kommst du mir mit einem K. nach Hause, fliegst du auf der Stelle hinaus (Ruthe, Partnerwahl 81); sie wurde von einem gesunden K. entbunden; R das K. muss [doch] einen Namen haben (für die Sache muss eine Rechtfertigung, ein Vorwand gefunden werden); wir werden das K. schon [richtig] schaukeln (ugs.; wir werden die Sache schon in Ordnung bringen, bewältigen); *ein tot geborenes K. sein (ugs.; von Anfang an, schon bei seiner Entstehung zum Scheitern, Misslingen verurteilt sein, aussichtslos sein): dieses Unternehmen war ein tot geborenes K.; unschuldig wie ein neugeborenes K. sein (völlig, ganz u. gar unschuldig sein); jmdm. ein K. machen/andrehen (ugs.; eine Frau schwängern); jmdm. ein K. in den Bauch reden (ugs.; jmdm. etw. einreden, ihn mit großer Überredungskunst von etwas ganz Unwahrscheinlichem überzeugen wollen); ein K. unter dem Herzen tragen (geh..; ein Kind erwarten, schwanger sein); ein K. von Lumpen kriegen (landsch.; sich über etw. sehr wundern, ärgern); das K. mit dem Bade ausschütten (übereilt, im Übereifer das Gute mit dem Schlechten verwerfen); b) Mensch, der sich noch im Lebensabschnitt der Kindheit befindet (etwa bis zum Eintritt der Geschlechtsreife), noch kein Jugendlicher ist; noch nicht erwachsener Mensch: ein kleines, elfjähriges, halbwüchsiges K.; ein minderjähriges, unmündiges K.; ein munteres, aufgewecktes, begabtes, frühreifes, verwöhntes, verzogenes, schwieriges, zurückgebliebenes, verwahrlostes, verwaistes K.; -er bis zu zwölf Jahren; -er bis 12 Jahre; ein K. von vier Jahren; die -er spielen, toben, laufen umher, gehen zur Schule; die -er wachsen heran, sind groß geworden; Darüber hinaus kostet jedes K., bis es selbst berufstätig wird, noch enorme Summen (Gruhl, Planet 156); damals, als wir noch -er waren; sie ist kein K. mehr (ist erwachsen); das weiß, kann doch jedes K. (ist doch ganz einfach, kann doch jeder); Namen, die auf dem Subkontinent jedes K. kennt (die so allgemein bekannt sind, dass jeder sie kennt; a & r 2, 1997, 35); er ist noch ein großes K. (hat ein kindliches Gemüt, die Naivität eines Kindes); sie war schon als K. sehr still; sie freute sich wie ein K.; ein K. erziehen, großziehen, ernähren, vernachlässigen, verwöhnen; das K. an die Hand nehmen; er behandelt sie wie ein [kleines] K. (bevormundet sie); das Bedauern, Fehler in der Erziehung der -er gemacht zu haben (Schreiber, Krise 144); den -ern etwas beibringen; die Kindergartenleiterin ist bei ihren -ern (den ihr anvertrauten kleinen Kindern) sehr beliebt; ein Spiel für -er und Erwachsene; er kennt sie von K. an/von K. auf (seit ihrer Kindheit); den Vater, der in diesem Land geboren wurde und von K. auf für dieses Land gearbeitet hat (Innerhofer, Schattseite 182); R wenn das K. in den Brunnen gefallen ist [deckt man ihn zu] (erst wenn es zu spät ist [wird etwas unternommen]); du bist als K. [wohl] zu heiß gebadet worden (du bist nicht recht gescheit); wie sag ichs meinem -e (wie bringe ich ihm, ihr das am geschicktesten bei) ?; aus -ern werden Leute (die Kinder werden erwachsen); das ist nichts für kleine -er (ugs.; das geht dich nichts an, ist nichts für dich); Spr -er und Narren sagen die Wahrheit; [ein] gebranntes K. scheut das Feuer; *das K. im Manne (meist scherzh.; die Freude am Spiel, der Spieltrieb beim Mann; nach einer Stelle in dem Werk „Also sprach Zarathustra“ des dt. Philosophen Fr. Nietzsche, 1844-1900); Kind[er] und Kindeskinder (die gesamte Nachkommenschaft); bei jmdm. lieb K. sein (ugs.; bei jmdm. in gutem Ansehen stehen [u. dadurch Vorteile haben]); sich bei jmdm. lieb K. machen (ugs.; sich bei jmdm. einschmeicheln); das K. beim [rechten] Namen nennen (ugs.; etw. ganz offen, deutlich aussprechen); mit K. und Kegel (mit der gesamten Familie; mhd. kegel, kekel = uneheliches Kind; H. u.): Pfingsten 83 endlich tat sich etwas, das auch Karoline interessieren konnte. Ein Ausflug! Mit K. und Kegel (Kühn, Zeit 113). 2. von jmdm. leiblich abstammende Person; unmittelbarer Nachkomme: ein eheliches, uneheliches, sein eigenes, leibliches K.; ihr erstes, zweites K.; ihr drittes K. ist auch schon verheiratet; das gemeinsame K.; sie ist das einzige K. [ihrer Eltern]; er ist das K. eines Künstlers; sie ist armer, einfacher, ordentlicher Leute K.; sie waren drei -er zu Hause; wir haben drei -er; sie wollen sich keine -er, nur ein K. anschaffen; willst du wirklich -er in die Welt setzen?; wenn die -er aus dem Haus sind; Wenn man sich heute -er leistet, muss man sehr sparsam wirtschaften (Kühn, Zeit 117); er hat das K. verleugnet, nicht anerkannt; jedes seiner -er bekommt bei der Heirat ein Haus; er hat für seine -er gesorgt; R -er können nichts für ihre Eltern; Spr kleine -er, kleine Sorgen - große -er, große Sorgen; Ü er ist ein K. des 19. Jahrhunderts (ist von dieser Zeit geprägt); Magda war 1918 geboren, und sie fügte hinzu: „Wir sind beide -er des Krieges. Er ist und bleibt unser Schicksal.“ (Danella, Hotel 49); die -er von [Karl] Marx und Coca-Cola (im Wohlstand der 1960er-, 1970er-Jahre aufgewachsene, vom Kapitalismus amerikanischer Prägung gekennzeichnete junge Leute, die sich linksintellektuell, antikapitalistisch od. marxistisch geben); wir sind alle -er Gottes; ein K. des Todes (geh.; ein äußerst gefährdeter, dem Tode naher, geweihter Mensch); sie ist ein [echtes] Berliner K. (sie stammt aus Berlin, ist eine richtige Berlinerin); *ein K. der Liebe (geh. veraltend verhüll.; uneheliches Kind); kein K. von Traurigkeit sein (ugs.; ein lebenslustiger Mensch sein): Ich bin gar kein K. von Traurigkeit, aber Kneipen hasse ich (Hörzu 16, 1973, 137); jmds. liebstes K. sein (jmds. besondere Vorliebe genießen, von jmdm. bevorzugt werden): ... ist die Oper immer noch des deutschen Theaterabonnenten liebstes K. (Herrenjournal 3, 1966, 2); jmdn. an -es statt annehmen (↑adoptieren 1). 3. (fam.) a) <o. Pl.> Anrede an eine [jüngere] weibliche Person: mein K., besuche mich bald wieder; „Nun, liebes K.“, so unterbrach ich sie denn doch (Th. Mann, Krull 205); b) <Pl.> Anrede an mehrere Personen: -er, hört mal alle her!; Ja, -er, das ist also mein kleines Paradies, mein Häusle (Ziegler, Kein Recht 378).

Universal-Lexikon. 2012.

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